Silikatfarbe richtig verarbeiten: Schritt-für-Schritt-Anleitung für Wände

Silikatfarbe verarbeiten Sie erfolgreich, wenn Sie den Untergrund sorgfältig vorbereiten und die Farbe zügig nass in nass auftragen. Wer das einmal verstanden hat, bekommt ein Ergebnis, das Jahrzehnte hält. Diese Farbe ist kein Produkt für Ungeduldige, aber sie belohnt jeden, der methodisch vorgeht.

Bevor wir in die Technik einsteigen, hier ein kurzer Überblick über das, was Sie in diesem Artikel erwartet:

  • was Silikatfarbe von normaler Dispersionsfarbe unterscheidet
  • welche Untergründe geeignet sind und welche nicht
  • wie Sie den Untergrund richtig vorbereiten und grundieren
  • wie das Anrühren, Mischen und Streichen funktioniert
  • welche Fehler Sie vermeiden sollten
  • was bei Innen- und Außenanwendungen zu beachten ist

Los geht’s.


Silikatfarbe richtig verarbeiten: die wichtigsten Grundlagen

Silikatfarbe ist eine mineralische Farbe auf Basis von Kaliwasserglas. Das Bindemittel entsteht aus Quarzsand und Pottasche. Sie verbindet sich chemisch mit dem Untergrund, ein Vorgang, den Fachleute als Verkieselung bezeichnen. Das Ergebnis ist keine aufgeklebte Schicht, sondern eine echte Verbindung mit dem Mauerwerk.

Daraus folgt: Die Farbe haftet nur dort wirklich gut, wo der Untergrund mineralisch und sauber ist. Wer das versteht, hat die halbe Miete.


Was Silikatfarbe von Dispersionsfarbe unterscheidet

Dispersionsfarbe bildet einen Kunststofffilm auf der Wand. Silikatfarbe dagegen ist diffusionsoffen, das heißt, Feuchtigkeit kann durch die Wand entweichen. Das schützt vor Schimmel und verbessert das Raumklima spürbar.

Außerdem ist Silikatfarbe antistatisch. Sie zieht weniger Staub an, was besonders für Allergiker angenehm ist. Ihr hoher pH-Wert wirkt von Natur aus hemmend gegen Schimmel und Algen. Und sie ist nicht brennbar, was sie für bestimmte Bereiche besonders interessant macht.

Der Nachteil: Sie ist anspruchsvoller in der Verarbeitung. Fehler beim Untergrund oder beim Auftrag lassen sich kaum kaschieren.

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Für welche Untergründe sich Silikatfarbe eignet

Silikatfarbe funktioniert am besten auf mineralischen Untergründen. Geeignet sind vor allem Kalkputz, Zementputz, Kalksandstein, Beton und bestehende Silikat- oder Kalkanstriche.

Nicht geeignet sind Tapeten und alte Dispersionsfarbanstriche. Diese stören die Verkieselung und führen zu Abplatzungen oder schlechter Haftung.

Untergrund Eignung Vorbehandlung nötig?
Kalkputz sehr gut meist nein
Zementputz gut bei Saugfähigkeit prüfen
Kalksandstein gut bei Bedarf Grundierung
Gipsputz / Gipskarton bedingt ja, Silikatgrund erforderlich
Dispersionsfarbe (alt) nicht geeignet entfernen
Tapeten nicht geeignet entfernen
Beton gut je nach Zustand prüfen

Die richtige Vorbereitung des Untergrunds

Ein gut vorbereiteter Untergrund ist die Grundlage für alles. Alte, ungeeignete Anstriche müssen vollständig entfernt werden. Lose Stellen, Staub und Schmutz sind vor dem Streichen zu beseitigen.

Risse und Löcher füllen Sie am besten mit einem mineralischen Spachtel, zum Beispiel Kalkspachtel. Neuer Putz muss mindestens 4 Wochen trocknen, bevor Sie streichen. Sandende Flächen stabilisieren Sie mit einem Silikatgrund, damit die Oberfläche Halt bekommt.


Welche Grundierung Sie wann brauchen

Nicht jede Wand braucht eine Grundierung, aber die richtige zu wählen entscheidet oft über das Endergebnis. Stark saugende Flächen bekommen einen Tiefengrund oder eine Silikat-Grundierung. Sandende Flächen behandeln Sie mit Silikatgrund, um die Oberfläche zu festigen. Auf Gipsputz oder Gipskarton ist eine spezielle Silikatvorbehandlung fast immer nötig.

Lesen Sie immer die Herstellerangaben, denn jedes Produkt hat seine eigene Empfehlung. Eine falsch gewählte Grundierung kann das gesamte Ergebnis gefährden.


Silikatfarbe anrühren, mischen und abtönen

Reine Silikatfarbe wird als Zweikomponentenprodukt geliefert. Sie mischen die beiden Teile mit einem Rührgerät nach Herstellerangabe. Danach braucht die Farbe eine Quellzeit von 30 Minuten bis mehreren Stunden. Rühren Sie während dieser Zeit mehrfach nach.

Für Farbtöne eignen sich nur alkalibeständige Pigmente. Der hohe pH-Wert der Farbe zerstört viele herkömmliche Abtönfarben. Erd- und Mineralpigmente funktionieren in der Regel gut.

Ein grober Richtwert: 10 Liter Silikatfarbe reichen für etwa 60 bis 70 m², je nach Saugfähigkeit und Auftragsmethode.


Silikatfarbe streichen: so arbeiten Sie nass in nass

Silikatfarbe trocknet schnell. Wer zu langsam arbeitet, sieht später sichtbare Ansätze auf der Wand. Die Methode lautet deshalb: nass in nass, zügig und gleichmäßig.

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Verwenden Sie eine Malerbürste für strukturierte Flächen und einen Farbroller für glatte Wände. Bei großen Flächen lohnt sich ein zweiter Helfer, damit kein Bereich antrocknet. Rühren Sie die Farbe während des Streichens regelmäßig um. Nach dem Streichen trocknet die Oberfläche in etwa 4 Stunden, muss aber noch vollständig aushärten.


Typische Fehler bei der Verarbeitung vermeiden

Die häufigsten Probleme entstehen nicht beim Streichen, sondern davor. Wer den Untergrund nicht richtig prüft, riskiert Abplatzungen. Wer zu langsam arbeitet, bekommt Ansätze. Wer die Farbe zu stark verdünnt, verliert Deckkraft und Haftung.

Außerdem: Silikatfarbe ist stark alkalisch. Sie reizt Haut und Augen. Tragen Sie immer Schutzhandschuhe und eine Schutzbrille. Decken Sie Boden, Fliesen und Fensterrahmen mit Malervlies und Malerkrepp ab. Tropfen sofort entfernen, denn die Farbe haftet sehr fest.


Ein ungewöhnlicher, aber wichtiger Punkt: warum der Untergrund oft wichtiger ist als die Farbe

In der Praxis scheitern die meisten Silikatfarben-Projekte nicht an der Farbe selbst, sondern am Untergrund. Wir haben Baustellen erlebt, bei denen hochwertige Silikatfarbe auf altem Dispersionsanstrich gestrichen wurde. Das Ergebnis: Blasen, Abplatzungen, Farbverlust nach wenigen Monaten.

Die Farbe braucht mineralischen Kontakt. Ohne diesen Kontakt findet keine Verkieselung statt. Nehmen Sie sich also mehr Zeit für die Vorbereitung als für das eigentliche Streichen. Das zahlt sich aus.


Silikatfarbe innen und außen anwenden

Innen überzeugt Silikatfarbe vor allem in Wohnräumen, Badezimmern und Küchen. Die Diffusionsoffenheit reguliert die Raumfeuchtigkeit, der hohe pH-Wert schützt vor Schimmel.

Außen ist sie besonders für Fassaden mit mineralischen Außenputzen geeignet. Sie widersteht Regen, Frost und UV-Strahlung zuverlässig. Für Fassaden gibt es speziell formulierte Fassaden-Silikatfarben, die auf diese Belastungen ausgelegt sind.


Reinigung, Lagerung und Entsorgung nach dem Streichen

Reinigen Sie alle Werkzeuge sofort nach dem Streichen. Silikatfarbe haftet extrem stark und lässt sich nach dem Trocknen kaum noch entfernen. Gemischte reine Silikatfarbe sollten Sie innerhalb von 48 Stunden aufbrauchen. Sie ist nicht für lange Lagerung gedacht.

Überschüssige oder getrocknete Farbe gehört in vielen Fällen zum Sondermüll. Kleine getrocknete Reste können manchmal in den Hausmüll. Prüfen Sie das im Vorfeld bei Ihrer lokalen Entsorgungsstelle.


Zum Merken

  • Silikatfarbe funktioniert nur auf mineralischen, sauberen und trockenen Untergründen zuverlässig.
  • Alte Dispersionsfarbe und Tapeten müssen vor dem Streichen vollständig entfernt werden.
  • Nass in nass arbeiten verhindert sichtbare Ansätze auf großen Flächen.
  • Schutzhandschuhe und Schutzbrille sind beim Verarbeiten Pflicht wegen des hohen pH-Werts.
  • Gemischte reine Silikatfarbe muss innerhalb von 48 Stunden verarbeitet werden.

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